Arbeitswelt-Monitor

Ergebnisse der
2. Befragung

*Dezember 2020

An der zweiten Befragungswelle im Dezember 2020 haben sich 3.998 Erwerbstätige beteiligt. Die Ergebnisse zeigen, dass Covid-19 und die politischen Eindämmungsmaßnahmen auch nach mehr als sechs Monaten weitreichende Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben. Faktisch hat sich nur in wenigen Punkten etwas im Vergleich zur Frühphase der Pandemie geändert. Die Ungleichheiten in den Auswirkungen haben sich kaum geändert.

Auffällig waren im Vergleich zur ersten Befragung im April/Mai 2020 der Anstieg der Arbeitsbelastungen und der Rückgang der Vereinbarkeitskonflikte. In fast allen Berufen sind die auch schon in der Frühphase der Pandemie hohen Belastungen weiter gestiegen. Zugleich sind die Konflikte zwischen Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung im Dezember zurückgegangen, verbleiben allerdings auf hohem Niveau.

Die Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber verbleibt – angesichts der steigenden Belastungen – auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Auffällig ist nur der starke Rückgang unter Lehrberufen. Die Öffnung der Schulen ohne adäquate Sicherheitskonzepte wird von vielen Lehrkräften kritisiert.

Ergebnisse nach Themen

1. Zufriedenheit mit Arbeitgeber

In Anbetracht der anhaltenden weitreichenden Auswirkungen der Pandemie überrascht auf den ersten Blick die stabile Zufriedenheit der Arbeitnehmer*innen mit ihrem Arbeitgeber. Mehr als 60 Prozent sind in der zweiten Welle explizit zufrieden, rund jeder Sechste dagegen unzufrieden. Auch an der Verteilung der Unzufriedenen auf Branchen-ebene hat sich im Vergleich zum April/Mai 2020 wenig geändert: Größere Anteile an Unzufriedenen finden sich nur im Bau- und Gastgewerbe und im Handel.

Der Blick auf die Berufsgruppen verrät, dass die Zufriedenheit unter Produktionsarbeitenden und vor allem unter Lehrkräften stark zurückgegangen ist. Letztere zeigten sich in der Befragung häufiger unzufrieden mit den Schutzmaßnahmen und der geringen gesellschaftlichen Sichtbarkeit ihres Arbeitsalltags.

1. Fragetext: Alles in allem, wie zufrieden sind Sie insgesamt mit dem Handeln Ihres Arbeitgebers in der Corona-Krise?

*Dezember 2020

2. Infektionssorgen

Der Anteil derjenigen, die Sorgen vor einer Infektion am Arbeitsplatz haben, ist im Vergleich zur ersten Welle im April/Mai 2020 leicht gestiegen. Frauen sind weiterhin stärker betroffen als Männer, was an der besonderen Betroffenheit von Branchen und Berufen liegt, in denen Frauen stärker vertreten sind. Deutlich erhöht waren Infektionssorgen in den Dienstleistungsbranchen, in denen der Kontakt zu Kund*innen, Patient*innen oder Schüler*innen fester Bestandteil der Arbeit ist: Gesundheits- und Sozialwesen, Handel und Gastgewerbe.

Auf der beruflichen Ebene sind die alten Ungleichheiten bestehen geblieben – mit einer auffälligen Ausnahme. Stark angestiegen sind in der zweiten Welle die Infektionssorgen in den akademischen Dienstleistungsberufen. Verantwortlich hierfür sind vor allem Lehrkräfte. Während im April/Mai 2020 Schulen weitgehend geschlossen waren, waren diese im Dezember geöffnet. Für viele Lehrer*innen ist damit ein Anstieg der Infektionsrisiken verbunden.

2. Fragetext: Ich mache mir Sorgen, mich bei meiner Arbeit
mit Corona anzustecken.

*Dezember 2020

3. Schutzmaßnahmen

Auch die Qualität der Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz haben sich in den Augen der Erwerbstätigen seit der Frühphase der Pandemie kaum verändert. Knapp zwei Drittel bewerten im Dezember 2020 die Schutzmaßnahmen ihrer Arbeit- oder Auftraggeber als ausreichend, ein gutes Viertel als unzureichend oder nicht vorhanden. Am Schlechtesten werden die Schutzmaßnahmen in Erziehung & Unterricht und im Baugewerbe bewertet.

Auf beruflicher Ebene fielen in der ersten Befragungswelle im April/Mai 2020 – wie bei vielen anderen Themen – Produktionsarbeitende und Dienstleistende auf: In diesen Berufsgruppen bewertete jeweils nur die Hälfte der Erwerbstätigen die Schutzmaßnahmen als ausreichend. An der kritischen Haltung insbesondere der Produktionsarbeitenden hat sich auch in der zweiten Befragungswelle im Dezember 2020 wenig geändert. Neu hingegen ist der starke Rückgang der Zufriedenheit unter den akademischen Dienstleistenden. Insbesondere Lehrkräfte bewerten die Schutzmaßnahmen in Schulen kritisch.

3. Fragetext: Wie bewerten Sie Maßnahmen, die in Ihrem Arbeitsbereich zum Schutz der Mitarbeiter*innen vor einer Corona-Infektion umgesetzt wurden?

*Dezember 2020

4. Einkommen

Im Vergleich zum April/Mai 2020 sind die Verdiensteinbußen leicht zurückgegangen (von 16 Prozent im April/Mai auf 13 Prozent). Verantwortlich hierfür sind die Öffnungen in der Industrie und der Gastronomie.

Weiterhin finden sich große Ungleichheiten auf der beruflichen Ebene. Immer noch sind die Selbständigen besonders stark von Verdiensteinbußen betroffen: Sechs von zehn Kleingewerbetreibenden und eine knappe Hälfte der Arbeitgeber*innen und freien Berufe verzeichneten sinkende Verdienste. Unter den abhängig Beschäftigten fielen vor allem Produktionsarbeitende mit überdurchschnittlichen Einbußen auf. Weniger stark betroffen sind Produktionsarbeitende. In einigen Bereichen der Industrie hat das Auftragsvolumen wieder spürbar angezogen.

4. Fragetext: Wie hat sich in der Corona-Pandemie ihr Verdienst entwickelt?

*Dezember 2020

5. Belastungen

Im Vergleich zur ersten Befragung im April/Mai 2020 sind die Arbeitsbelastungen der Erwerbstätigen – ausgehend von einem hohen Niveau – noch einmal angestiegen. 6 von 10 Erwerbstätigen melden in der Befragung im Dezember 2020, dass ihre Belastungen im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie gewachsen sind. Damit ist der Anstieg der Arbeitsbelastungen nicht nur ein vorübergehendes Phänomen. Vielmehr sind die Belastungen inzwischen ein Dauerphänomen. Im Vergleich mit den anderen Themenfeldern des Arbeitswelt-Monitors sind die Ungleichheiten in den Belastungen zwischen Branchen und verschiedenen Beschäftigtengruppen gering.

Dies gilt auch für die beruflichen Ungleichheiten. Auch in diesem Themenfeld fallen die akademischen Dienstleistungsberufe auf: Unter ihnen fällt die Zunahme der Belastungen besonders groß aus.

5. Fragetext: Wie haben sich für Sie seit Beginn der Corona-Krise die Arbeitsbelastungen verändert?

*Dezember 2020

6. Vereinbarkeit von Arbeit und Leben

In der Frühphase der Pandemie waren Verbesserungen und Verschlechterungen der Vereinbarkeit von Arbeit und Leben noch ungefähr gleich verteilt. Im Dezember 2020 ist hingegen der Anteil an Erwerbstätigen, die eine Verbesserung der Vereinbarkeit sehen, gesunken. Nur noch ein gutes Fünftel erlebt die Pandemie als Verbesserung der Work-Life-Balance. An den Branchenunterschieden hat sich wenig verändert.

Auf der beruflichen Ebene haben die Unterschiede abgenommen. Zurückgegangen ist der Verbesserungsanteil vor allem bei den akademischen Dienstleistungsberufen. Die geringsten Anteile finden sich jedoch weiterhin bei Produktionsarbeitenden, Dienstleistenden und Kleingewerbetreibenden und Solo-Selbständigen. In diesen Berufsgruppen erlebt nur eine kleine Minderheit die Pandemie als Möglichkeitsfenster für eine verbesserte Vereinbarkeit von Arbeit und Leben.

6. Fragetext: Wie hat sich für Sie seit Beginn der Corona-Krise die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben verändert?

*Dezember 2020

7. Home-Office

Der Anteil derjenigen, die in der Pandemie mehr von Zuhause arbeitet als zuvor, ist zwischen April/Mai und Dezember 2020 zurückgegangen. Arbeiteten in der Frühphase noch fast 40 Prozent der Erwerbstätigen zumindest teilweise im Home-Office, sind dies in der zweiten Befragungswelle nur noch 30 Prozent. In Westdeutschland ist der Anteil weiterhin höher als in Ostdeutschland. Und auch zwischen den Branchen bleibt der Zugang zum Home-Office ungleich verteilt: Besonders geringe Anteile gibt es im Gast- und Baugewerbe, im Gesundheitssektor und im Handel.

Auch auf der beruflichen Ebene existierten die starken Ungleichheiten im Zugang zum vermehrten Home-Office weiterhin. Produktionsarbeitende und Dienstleistende haben kaum Zugang, während Bürotätigkeiten und akademische Berufe im Allgemeinen häufig ins Home-Office wechselten. Mit der Öffnung der Schulen ist jedoch auch ein deutlicher Rückgang des Home-Office unter Lehrkräften zu beobachten.

7. Fragetext: Arbeiten Sie aktuell vermehrt von zu Hause (Home-Office)?

*Dezember 2020

8. Digitalisierung

Auch der Anteil der Beschäftigten, die in der Pandemie eine Digitalisierung der eigenen Arbeit erleben, ist im Vergleich zur ersten Befragungswelle im April/Mai 2020 leicht zurückgegangen. Trotzdem erlebt noch fast die Hälfte der Erwerbstätigen einen Digitalisierungsschub, ein Drittel sogar einen deutlichen. In Westdeutschland ist die Reichweite der Digitalisierung weiterhin größer als in Ostdeutschland. Und auch auf Branchenebene setzen sich die Unterschiede fort: Kaum Digitalisierung gibt es im Handel, in der Gesundheit und im Gastgewerbe.

Die Digitalisierung ist genauso wie das Home-Office überwiegend ein Phänomen von akademischen Berufen und Bürotätigkeiten. Produktionsarbeitende und Dienstleistende haben weiterhin kaum eine Chance, in der Pandemie ins Home-Office zu wechseln. Unter den nicht-akademischen Berufen erlebten nur Büro- und Verwaltungskräfte eine Digitalisierung der eigenen Arbeit. Der Rückgang der Digitalisierung im Vergleich zur ersten Befragung geht vor allem auf die akademischen Dienstleistungsberufe zurück. Durch die Öffnung der Schulen hat der Präsenzunterricht wieder an Bedeutung gewonnen. Zugleich kritisieren viele Lehrkräfte die fehlenden Voraussetzungen für den digitalen Unterricht. 

8. Fragetext: Meine Arbeit ist durch Corona viel digitaler geworden.

*Dezember 2020

9. Kinderbetreuung

Für Eltern und Erziehungsberechtigte bleibt die Pandemie eine Zeit hoher Belastungen. Zwar ist die Intensität von Vereinbarkeitskonflikten zwischen der ersten Befragungswelle im April/Mai 2020 und der zweiten Welle im Dezember leicht zurückgegangen, eine Entspannung ist aber noch nicht in Sicht. Immer noch melden 46 Prozent der Teilnehmer*innen häufige oder gar sehr häufige Konflikte zwischen Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung. Auch an den Geschlechterunterschieden hat sich nichts geändert: Frauen sind weiterhin sehr viel stärker betroffen als Männer.

Zwischen den Berufsgruppen existieren Unterschiede in der Häufigkeit von Vereinbarkeitskonflikten, die jedoch primär auf Unterschiede in den Frauenanteilen in den Berufen zurückzuführen sind.

9. Fragetext: Wie häufig kommt es vor, dass Sie Schwierigkeiten haben, die Betreuung und Erziehung der Kinder mit Ihrer Arbeit zeitlich zu vereinbaren?

*Dezember 2020

Schlussfolgerung

Die Corona-Pandemie hat – das zeigen die Ergebnisse der zweiten Welle des Arbeitswelt-Monitors – anhaltende Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Die Ungleichheitsmuster aus der ersten Welle in der Frühphase der Pandemie setzen sich auch im Dezember 2020 fort. Für viele Erwerbstätige sind Infektionsrisiken, wirtschaftliche Lasten und steigende Arbeitsbelastungen zu einem täglichen Begleiter geworden. Es ist davon auszugehen, dass die Ungleichheiten im Arbeitserleben in der Pandemie auch nach deren Ende weiterwirken werden. Die besonderen Leistungen und Betroffenheiten vieler Berufsgruppen sollten langfristig gewertschätzt und honoriert werden.

Die dritte Befragungswelle läuft. Helfen Sie uns, die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Arbeitswelt zu untersuchen. Machen Sie mit! Jede Stimme zählt!

Jede Stimme zählt!

Dies ist die zweite Befragung des Arbeitswelt-Monitors. Bitte nehmen sie sich 15 Minuten Zeit und machen Sie mit!
Eingeladen sind Erwerbstätige aus allen Wirtschafts­zweigen und allen Beschäftigungsformen. Auch wenn Sie gerade Ihren Job verloren haben, können Sie gerne teilnehmen.

Die Teilnahme an der dritten Befragung ist unabhängig von der Beteiligung an der ersten und zweiten Runde. Auch wenn Sie bisher nicht teilgenommen haben, sind Sie herzlich zur Teilnahme eingeladen!.

 

Haben Sie noch Fragen?

Wenden Sie sich an:
Prof. Dr. Hajo Holst: hajo.holst@uni-osnabrueck.de